Erste Analyse der CO2-Zertifikate-Offenlegungen im DAX40 unter CSRD: Kein Unternehmen legte im Geschäftsjahr 2025 projektbezogene Daten offen

13.05.2026

Gemeinsame Untersuchung von Senken und Sylvera: 45 Prozent der gemeldeten 4,84 Millionen Zertifikate sind aus öffentlichen Quellen nicht nachvollziehbar, und 57 Prozent der bewerteten Projekte liegen unter Sylveras Qualitätsschwelle.

Berlin und London, 13. Mai 2026 /PRNewswire/ -- Ein gemeinsamer Bericht des CO2-Zertifikate-Anbieters Senken und der CO2-Datenplattform Sylvera deckt erhebliche Transparenz- und Qualitätslücken in der Berichterstattung über CO2-Zertifikate bei den größten börsennotierten Unternehmen Deutschlands auf. „Buying Blind?" ist die erste unabhängige Analyse der DAX40-Offenlegungen zu CO2-Zertifikaten für das Geschäftsjahr 2025 unter CSRD (ESRS E1-7). Untersucht wurden 39 DAX40-Unternehmen, die ihre Geschäftsberichte für 2025 bis zum 1. April 2026 veröffentlicht haben. 21 davon sind aktive Käufer und meldeten zusammen 4,84 Millionen tCO2e. Der vollständige Bericht ist unter senken.io/buying-blind.

Buying Blind

Zentrale Ergebnisse:

  • Keine projektbezogene Offenlegung: Kein einziges DAX40-Unternehmen veröffentlichte die Projektkennungen, die für eine unabhängige Verifizierung erforderlich sind.
  • 2,17 Millionen Zertifikate nicht nachvollziehbar: 45 Prozent der gemeldeten Zertifikate ließen sich in sieben großen öffentlichen Registern keinem identifizierbaren Projekt zuordnen.
  • 57 Prozent unter der Glaubwürdigkeitsschwelle: Von 90 bewerteten Projekten lag mehr als die Hälfte gemäß Sylveras Bewertungsrahmen unter BBB.
  • 6 von 21 Käufern legten Details offen: vier freiwillig, zwei aufgrund kalifornischer Vorgaben.

„Europas größte Unternehmen meldeten 4,84 Millionen CO2-Zertifikate unter CSRD, doch keines legte die Projektkennungen offen, die zu deren Verifizierung notwendig wären", sagt Adrian Wons, CEO und Gründer von Senken. „Über öffentliche Register und Geschäftsberichte konnten wir 55 Prozent konkreten Projekten zuordnen. Die übrigen 45 Prozent ließen sich keinem Projekt zuordnen, und von den identifizierbaren Zertifikaten lagen 57 Prozent unter Sylveras Schwelle für glaubwürdige Klimawirkung."

„Zertifizierung und Glaubwürdigkeit sind nicht dasselbe", sagt Allister Furey, CEO und Mitgründer von Sylvera. „Was die CSRD nicht erfasst, ist die Frage, ob Zertifikate tatsächlich echte Wirkung entfalten. Mit der Reifung der CO2-Märkte wird die Fähigkeit, Qualität auf Projektebene zu verifizieren, unverzichtbar."

Eine einzige Anpassung des Standards ESRS E1-7, die eine projektbezogene Offenlegung verlangt, würde europäische Käufe von CO2-Zertifikaten unabhängig überprüfbar machen, ohne den Unternehmen zusätzlichen Datenaufwand abzuverlangen.

Über Senken

Senken ist Beschaffungspartner für CO2-Zertifikate und stellt Unternehmen hochintegre Zertifikate sowie die Nachweise zur Verfügung, mit denen sie diese gegenüber Wirtschaftsprüfern, Vorständen und der Presse belegen können.

Über Sylvera

Sylvera ist eine CO2-Datenplattform. Ihre Bewertungen (AAA bis D) werden von Investoren, Unternehmen und Regierungen genutzt, um die Qualität von Zertifikaten hinsichtlich Zusätzlichkeit, Permanenz und Co-Benefits einzuordnen.

Pressekontakte: Katya Pranitskaya, katya@senken.io 

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WIdO-Analyse: Prävention könnte Hunderttausende Demenzerkrankungen verhindern

15.06.2026

Die Zahl der Demenzerkrankungen in Deutschland könnte bis 2060 deutlich ansteigen und das Versorgungssystem spürbar unter Druck setzen. Nach neuen Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) dürfte die Zahl der Betroffenen bei weiter steigender Lebenserwartung von derzeit rund 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen zunehmen. Grundlage der Berechnungen ist ein kleinräumiges Prognoseverfahren, das das Institut gemeinsam mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln entwickelt hat.

Die Analyse reicht hinunter bis auf die Ebene von 400 Kreisen und kreisfreien Städten und macht deutliche regionale Unterschiede sichtbar. Bereits 2020 lag der Anteil der Demenzkranken zwischen 1,0 Prozent in Tübingen und 2,6 Prozent in der brandenburgischen Prignitz. Für das Jahr 2060 erwarten die Forscher eine Spanne von 1,7 Prozent Demenzkranken in München bis zu 6,2 Prozent im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg. Besonders betroffen sind damit vor allem ländliche Regionen im Osten, die überdurchschnittlich altern.

Parallel zur wachsenden Zahl von Demenzfällen schrumpft der Pool potenzieller Pflege- und Betreuungspersonen im Erwerbsalter. Laut Studie kamen im Jahr 2020 rechnerisch noch 38 Menschen im erwerbsfähigen Alter auf einen Demenzfall. Bis 2060 dürfte dieses Verhältnis auf 21 Erwerbspersonen pro Fall sinken. Damit würden deutlich mehr Erkrankte von einer deutlich kleineren Zahl potenziell Erwerbstätiger versorgt werden müssen – mit entsprechenden Konsequenzen für Pflegeinfrastruktur, Kommunen und Sozialversicherungen.

Die Autoren der Studie betonen zugleich, dass der prognostizierte Anstieg nicht zwangsläufig ist. Nach heutigem wissenschaftlichem Stand lassen sich Demenzrisiken durch Prävention spürbar senken. Eine konsequentere Behandlung von Bluthochdruck und Diabetes, der Verzicht auf Rauchen oder ein höheres Bildungsniveau könnten dazu beitragen, etwa die Hälfte der Neuerkrankungen zu vermeiden. In einem solchen Szenario würde sich die Zahl der Demenzfälle im Jahr 2060 nicht weiter erhöhen, sondern sich auf einem Niveau zwischen 1,3 und 1,5 Millionen stabilisieren. Die Spannbreite der Projektionen zeigt damit, wie stark der künftige Versorgungsdruck von heute eingeleiteten Präventionsstrategien abhängen dürfte.