Starkes Jahr 2025 für Zalando: zweistelliges Wachstum, Kostenschnitte in der Logistik

13.03.2026


Zalando hat 2025 kräftig zugelegt und seine eigenen Ziele am oberen Ende der Spannen erreicht. Der Umsatz des im DAX notierten Online-Modehändlers stieg um 16,8 Prozent auf 12,35 Milliarden Euro und lag damit leicht über den Markterwartungen. Das Bruttowarenvolumen (GMV) kletterte um 14,7 Prozent auf 17,56 Milliarden Euro. Rückenwind bekam das Geschäft vor allem durch die Übernahme des Konkurrenten About You sowie den verstärkten Einsatz Künstlicher Intelligenz in Vertrieb und Plattformsteuerung.

Operativ verbesserte sich Zalando ebenfalls: Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) erhöhte sich auf 591 Millionen Euro nach 511 Millionen Euro im Vorjahr, die Marge blieb mit 4,8 Prozent stabil und leicht über den Analystenprognosen. Unter dem Strich sank der Gewinn jedoch auf 213 Millionen Euro von zuvor 251 Millionen Euro und verfehlte damit die Erwartungen. Für das laufende Jahr stellt das Management ein weiteres Wachstum von 12 bis 17 Prozent bei GMV und Umsatz in Aussicht; das bereinigte EBIT soll auf 660 bis 740 Millionen Euro steigen. Die mittelfristigen Ziele bis 2028 – jährliche Zuwächse von 8 bis 13 Prozent bei Umsatz und GMV sowie eine EBIT-Marge von 6 bis 8 Prozent – wurden bestätigt, die angepeilten jährlichen Synergien aus der About-You-Übernahme von 100 Millionen Euro sollen bereits 2028 und damit ein Jahr früher erreicht sein.

An der Börse sorgte vor allem die Kapitalmarktpolitik für Auftrieb. Der Konzern kündigte ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 300 Millionen Euro an, das bis Ende Juli laufen soll. Die Aktie legte im Tagesverlauf zweistellig zu und notierte zeitweise rund elf Prozent höher bei 22,35 Euro. Damit reagierte der Markt positiv auf die Kombination aus besser als erwarteten operativen Kennzahlen, bestätigtem Wachstumskurs und der Ankündigung, überschüssiges Kapital an die Anteilseigner zurückzuführen – obwohl die Zalando-Papiere seit Jahresbeginn deutlich im Minus liegen und in den vergangenen zwölf Monaten rund ein Drittel an Wert verloren haben. Analysten hoben neben dem Rückkauf insbesondere die Rolle von KI und das Konzept des sogenannten Agentic Commerce als nächste Entwicklungsstufe des Onlinehandels hervor.

Überschattet werden die guten Zahlen von strukturellen Einschnitten im Logistiknetz. Im Zuge der Integration von About You will Zalando vier Logistikzentren in Europa schließen, darunter den Standort Erfurt mit rund 2.700 Beschäftigten. Co-Chef David Schröter sprach von einer der schwersten, zugleich aber notwendigen Entscheidungen, um die Kapazitäten an den künftigen Wachstumsbedarf anzupassen. Das Unternehmen verhandelt nach eigenen Angaben mit dem Betriebsrat über einen Sozialplan, bietet Versetzungen an andere Standorte an und arbeitet mit der örtlichen Arbeitsagentur zusammen. Weitere Maßnahmen über die bereits angekündigten Schließungen hinaus soll es dem Management zufolge nicht geben; aus der Thüringer Landespolitik kommt dennoch Kritik an der Entscheidung.

Nach gescheitertem Anlauf 2015: JD.com wagt mit Joybuy zweiten Europaversuch

16.03.2026


JD.com startet einen neuen Anlauf in Europa: Der chinesische E-Commerce-Konzern bringt seine Plattform Joybuy offiziell nach Frankreich sowie in fünf weitere Länder – Großbritannien, Deutschland, Belgien, die Niederlande und Luxemburg. Es ist der zweite Versuch des Unternehmens, sich auf dem europäischen Online-Handelsmarkt zu etablieren, nachdem eine erste Joybuy-Version Mitte der 2010er-Jahre, unter anderem im Vereinigten Königreich, nur begrenzte Traktion erzielt hatte und die Ambitionen später zurückgefahren wurden. Diesmal tritt JD.com in ein deutlich reiferes Wettbewerbsumfeld ein, in dem neben Amazon inzwischen auch chinesische Plattformen wie Temu, AliExpress und Shein bei den Verbrauchern fest verankert sind.

Im Gegensatz zu Temu oder Shein setzt Joybuy in Europa nicht auf radikal niedrige Preise und weitgehend unbekannte Marken. Die Plattform positioniert sich näher an Amazon und fokussiert sich auf ein Sortiment etablierter internationaler Marken, ergänzt um lokale Angebote, etwa von französischen Anbietern. Im Techniksegment reicht die Palette von Smartphones – darunter auch einige iPhone-Modelle und vor allem Geräte von Motorola – über Audiozubehör bis hin zu Druckern, Monitoren, Konsolen, Tablets und Videospielen. Joybuy France beschäftigt derzeit rund 300 Mitarbeiter und will sich mit einer Kombination aus Markenbekanntheit und lokal angepasstem Angebot profilieren.

Den Kern der Differenzierung sieht JD.com in der Logistik. Über seine operative Einheit JoyExpress, die im Februar 2026 gestartet ist, verfügt der Konzern nach eigenen Angaben bereits über mehr als 60 Lagerhäuser in Europa, darunter ein Standort im französischen Département Val-d'Oise. Anders als viele Marktplatz-Modelle kauft Joybuy die Ware ein, lagert sie selbst und versendet direkt an die Kunden. Das soll Qualitätskontrolle und schnelle Zustellung ermöglichen. In der Île-de-France wirbt Joybuy mit dem Service „Double 11“: Bestellungen, die vor 11 Uhr eingehen, sollen noch am selben Tag vor 23 Uhr zugestellt werden. Die Same-Day-Option ist vorerst regional begrenzt, kostenlose Lieferung gibt es ab einem Bestellwert von 29 Euro.

Zur Kundenbindung führt Joybuy ein Abo-Modell ein, das deutlich an Amazon Prime erinnert. Das Programm JoyPlus kostet 3,99 Euro im Monat oder 19,99 Euro im Jahr und umfasst unbegrenzte kostenlose Lieferungen sowie ein Punktesystem, bei dem gesammelte Punkte in Einkaufsgutscheine umgewandelt werden können. Mit einer stärker vertikal integrierten Lieferkette, automatisierten Lagerstrukturen und einem auf schnelle Lieferung ausgelegten Netzwerk versucht JD.com, seine in China aufgebaute Logistikexpertise auf Europa zu übertragen. Der Konzern trifft dabei auf einen Markt, der gegenüber chinesischen Unternehmen zunehmend wachsam ist und zugleich von intensivem Preis- und Servicewettbewerb geprägt wird – Bedingungen, unter denen sich zeigen wird, ob Joybuy diesmal dauerhaft Fuß fassen kann.