
Bei den Kommunalwahlen in Hessen zeichnet sich nach ersten Trends ein gemischtes Bild ab. Hessens SPD-Generalsekretärin Josefine Koebe spricht von „Licht und Schatten“: Während die Sozialdemokraten in mehreren Kommunen auf Erfolge bei Bürgermeisterwahlen verweisen, sorgen Zuwächse der AfD insbesondere in Nordhessen parteiübergreifend für Unruhe. Endgültige landesweite Ergebnisse liegen noch nicht vor, die Parteien ziehen jedoch bereits eine erste Zwischenbilanz.
Aus Sicht der SPD sticht vor allem Offenbach hervor. Dort gebe es bei den Trendergebnissen „helles Licht“, wie Koebe betont. Rückenwind meldet die Partei zudem aus Hanau: In der Oberbürgermeisterwahl liegt der SPD-Kandidat Maximilian Bieri nach vorläufigen Zahlen in Führung. Er trifft in einer Stichwahl auf die CDU-Bewerberin Isabelle Hemsley. Parallel dazu verweist die SPD auf „einige gewonnene Bürgermeisterwahlen“ im Land, ohne diese im Detail zu beziffern.
Gleichzeitig beobachtet Koebe die Entwicklung der AfD mit Sorge. Vor allem in Nordhessen verzeichne die Partei Zuwächse, heißt es aus der SPD-Spitze. Konkrete Prozentwerte aus der laufenden Auszählung wurden zunächst nicht genannt. Bei der letzten hessischen Kommunalwahl 2021 war die AfD landesweit auf 6,9 Prozent gekommen und lag damit hinter CDU (28,5 Prozent), SPD (24,0 Prozent), Grünen (18,4 Prozent) und FDP (6,7 Prozent), gefolgt von der Linken mit 4,0 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 50,4 Prozent.
Koebe setzt nun auf Effekte durch das hessische Kommunalwahlrecht, das Kumulieren und Panaschieren erlaubt. Wählerinnen und Wähler können ihre Stimmen auf Kandidaten verschiedener Parteien verteilen oder bis zu drei Stimmen auf eine Person bündeln. „Erfahrungsgemäß gewinnen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten durch Kumulieren und Panaschieren eher, als dass sie verlieren, was auch für unsere starken Leute und tiefe Verankerung vor Ort spricht“, sagte die Generalsekretärin. Am Sonntag wurden im gesamten Bundesland neue Kreistage, Stadt- und Gemeindeparlamente sowie Ortsbeiräte gewählt, ebenso zahlreiche Bürgermeister und Ausländerbeiräte. Die endgültigen Resultate werden Aufschluss darüber geben, ob sich der optimistische Blick der SPD auf die feine Auszählung bestätigt – und wie stark die AfD ihren Trend in einzelnen Regionen tatsächlich ausbauen konnte.

Mutares schärft nach einem sprunghaften Ergebnisanstieg seine Wachstumsagenda nach oben – und muss gleichzeitig ein unerwartetes Finanzierungsproblem adressieren. Der auf Restrukturierungen spezialisierte SDax-Konzern profitierte 2025 von lukrativen Unternehmensverkäufen: Der Konzernumsatz legte auf 6,5 Milliarden Euro zu, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) vervielfachte sich auf 733,5 Millionen Euro. Parallel dazu rückt die Holding, über die Beratungsentgelte und Dividenden der Beteiligungen fließen und aus der die Ausschüttungen an die Aktionäre bestritten werden, zunehmend in den Fokus.
Für 2025 weist die Mutares-Holding einen Jahresüberschuss von 130,4 Millionen Euro aus, nach 108,3 Millionen Euro im Vorjahr. Wesentlicher Treiber sind hohe Erträge aus dem Verkauf der Anteile an Steyr Motors. Auf dieser Basis plant das Management eine Basisdividende von 2,00 Euro je Aktie, was einer Ausschüttungssumme von 42,7 Millionen Euro entspricht. Marktbeobachter sehen angesichts der Ertragsdynamik Spielraum für eine Bonusdividende; in Szenarien wird mit einem möglichen Vorschlag von insgesamt 2,50 Euro je Aktie zur Hauptversammlung im Juli 2026 gerechnet. Beim aktuellen Kursniveau um 29 Euro entspräche allein die Basisdividende einer Rendite von knapp 7 Prozent.
Strategisch erhöht Mutares die Schlagzahl: Der Konzern stellt für das laufende Jahr einen Umsatzanstieg auf 7,9 bis 9,1 Milliarden Euro in Aussicht, der für die Aktionäre maßgebliche Überschuss der Holding soll 2026 bereits 165 bis 200 Millionen Euro erreichen. Damit würde die bisherige Gewinnzielmarke von 200 Millionen Euro, die ursprünglich erst für 2028 formuliert war, deutlich früher erreicht. Bis 2030 peilt das Management ein jährliches Wachstum von rund 25 Prozent sowohl beim Konzernumsatz als auch beim Nettoergebnis der Holding an. Wachstumsimpulse erwartet Mutares neben Europa insbesondere aus den USA und Asien; in den Vereinigten Staaten soll innerhalb der nächsten zwölf Monate ein zweiter Standort aufgebaut werden.
Dem operativen Rückenwind steht jedoch eine Bilanzhürde gegenüber: Zum Stichtag Ende Dezember verfehlte Mutares eine zentrale Verschuldungskennzahl in den Anleihebedingungen – das vorgeschriebene Verhältnis von Nettoverschuldung zu Konzerneigenkapital. Das Unternehmen verweist zur Begründung auf Bewertungseffekte, gestiegene Leasingverbindlichkeiten und ein geringeres Volumen eigenkapitalstärkender Zukäufe im Schlussquartal. Um den technischen Vertragsbruch zu heilen, bittet der Vorstand die Gläubiger in einem schriftlichen Verfahren um einen Verzicht auf die Einhaltung der Klausel bis Ende Juni 2026. Als Ausgleich bietet Mutares eine Gebühr von 1,5 Prozent des Nominalvolumens und kündigt flankierend ab dem zweiten Quartal 2026 vierteljährliche Anleiherückkäufe von mindestens 25 Millionen Euro an, um die Verschuldung aktiv zurückzuführen. An der Börse fiel die Reaktion bislang verhalten aus; die Aktie legte im frühen Handel zuletzt um 1,6 Prozent zu, liegt im laufenden Jahr jedoch noch rund vier Prozent und auf Zwölfmonatssicht knapp 30 Prozent im Minus.
Unter der Oberfläche bleiben die Herausforderungen im operativen Portfolio spürbar. Zwar verbesserte sich das um Portfolioeffekte bereinigte operative Ergebnis (ber Ebitda) von minus 85,4 auf minus 27,8 Millionen Euro, es blieb damit aber im negativen Bereich und hinter Analystenerwartungen zurück. Belastend wirkten vor allem jüngste Zukäufe wie Buderus Edelstahl sowie das anhaltend schwierige Umfeld bei den Beteiligungen Lapeyre und Byldis. Demgegenüber stehen laut Unternehmen Fortschritte bei der Restrukturierung und Entwicklung anderer Einheiten wie Efacec. Der Nachrichtenmix aus beschleunigter Wachstumsstrategie, erhöhter Dividendenerwartung und der Notwendigkeit eines Covenantausnahmebeschlusses dürfte die Aktie vorerst zwischen Ertragsfantasie und Finanzierungsrisiko einpendeln lassen.