Kopftuchverbot für Mädchen bis 14: SPÖ-Lehrervertreter warnt vor neuen Konflikten

12.03.2026


Mit Beginn des Herbstsemesters tritt in Österreich ein neues Kopftuchverbot für Schülerinnen bis zum Alter von 14 Jahren in Kraft. Unterstützung für das Verhüllungsverbot kommt zwar grundsätzlich vom Vorsitzenden des Sozialdemokratischen LehrerInnenvereins (SLÖ), Thomas Bulant, doch der Gewerkschafter hält die Maßnahme für unausgewogen und zu kurz gegriffen. Aus seiner Sicht adressiert die Regelung nur einen Ausschnitt eines viel breiteren Problems: das ungeklärte Verhältnis von Schule und Religion.

Bulant plädiert dafür, Religion insgesamt aus dem schulischen Raum herauszuhalten. „Für mich hat Religion in der Schule nichts verloren und da gehört auch das Kopftuch dazu“, sagt er. Eine klare Linie, wonach Religion ausschließlich Privatsache sei und in der Schule nicht stattfinde, würde aus seiner Sicht viele Konflikte entschärfen. Stattdessen würden nun muslimische Mädchen per Gesetz zu Täterinnen erklärt, während ihre Eltern mit Geldbußen von bis zu 800 Euro rechnen müssten – auch in Fällen, in denen sie das Verhalten ihrer Töchter während der Unterrichtszeit gar nicht maßgeblich beeinflussen können.

Der Lehrervertreter kritisiert zudem, dass die neue Regelung erneut nur eine bestimmte Gruppe betreffe und damit rechtlich angreifbar sein könnte. Schon 2020 war ein Kopftuchverbot für Volksschülerinnen vom Verfassungsgerichtshof aufgehoben worden, weil es sich einseitig auf muslimische Mädchen bezog. Eine konsequente Trennung von Schule und Religion über alle Konfessionen hinweg, so Bulant, würde aus seiner Sicht verhindern, dass einzelne religiöse Symbole oder Praktiken gesondert reguliert und damit politisch und juristisch besonders aufgeladen werden.

Praktische Probleme erwartet Bulant auch im Schulalltag. Die Lehrkräfte seien als öffentlich Bedienstete verpflichtet, das Verbot zu kontrollieren und durchzusetzen. Offene Fragen zur Umsetzung und zu den Auswirkungen auf das Schulklima sieht er jedoch nicht ausreichend beantwortet. Er vermisst klare Verantwortung seitens des Bildungsministeriums für die „atmosphärischen Konsequenzen“ vor Ort. Darüber hinaus fordert der Gewerkschafter, auch gegen Burschen vorzugehen, die sich – mit Verweis auf religiöse Normen – als „Sittenwächter“ gegenüber Mitschülerinnen aufspielen. Ohne eine umfassende, alle Religionen betreffende Regelung, fürchtet Bulant, bleibe das neue Kopftuchverbot eine isolierte Maßnahme, die Spannungen eher verstärke als löse.

Nach den Bränden von Harz und Gohrischheide: Was sich im Katastrophenschutz geändert hat

16.03.2026


Ein Jahr nach mehreren großflächigen Waldbränden in Ostdeutschland gehen die Länder mit ausgebauten Kapazitäten in die neue Saison. In Thüringen hatten Einsatzkräfte im Sommer 2025 gegen ein Feuer bislang unbekannten Ausmaßes gekämpft, zeitweise galt der Katastrophenfall. In der sächsischen Gohrischheide stießen Feuerwehren wegen alter Munition im Boden an physische Grenzen, während im Harz bereits 2024 Bundeswehr-Hubschrauber über Wochen im Einsatz waren – über die Kosten in Millionenhöhe wird noch gestritten. Forstleute sprechen nun von der ersten Hochrisikophase des Jahres.

Seit dem 1. März veröffentlichen die Forstverwaltungen in Sachsen, Sachsen‑Anhalt und Thüringen wieder täglich die Waldbrandgefahrenstufen. Lokal wurde bereits Stufe drei (mittlere Gefahr) und teilweise Stufe vier (hohe Gefahr) erreicht, bevor Niederschläge die Lage vorübergehend entspannten. Fachleute verweisen darauf, dass sich das Brandrisiko zunehmend ins Frühjahr verlagert: Steigende Temperaturen treffen auf Vegetation, die vielerorts noch im „Winterschlaf“ ist. Bei Sonne und Wind können sich Brände rasch entwickeln – häufig ausgelöst durch unvorsichtige Waldbesucher.

Der Hydrologe Andreas Marx vom Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung erwartet die kritischste Phase allerdings im Sommer. Erst wenn sich über mehrere Monate Trockenheit aufbaut, steige das Risiko, dass Feuer sich schnell ausbreiten und schwerer löschen lassen. Die Erfahrung aus Thüringen 2025 zeigt, wie stark Wasserlogistik zum Engpass werden kann: Tanklöschfahrzeuge mussten teils weite Strecken zurücklegen, kilometerlange Schlauchleitungen wurden verlegt, Landwirte unterstützten mit eigenen Fahrzeugen. Der Landkreis Saalfeld-Rudolstadt verweist inzwischen auf zusätzliche Ausrüstung wie Faltbehälter mit bis zu 30.000 Litern Wasser und geländegängige Pick-ups mit Waldbrandmodulen.

Thüringen stockt seinen Fuhrpark für den Katastrophenschutz deutlich auf. Das Innenministerium beschafft in diesem Jahr sechs Großtanklöschfahrzeuge mit jeweils 10.000 Litern Löschwasservolumen. Drei davon gingen bereits im Januar an die Kreise Hildburghausen, Kyffhäuser und Sonneberg. Bis 2030 sollen darüber hinaus 16 weitere Tanklöschfahrzeuge mit jeweils 3.000 Litern Wasserkapazität bestellt werden. In Sachsen bleibt die munitionsbelastete Gohrischheide ein zentrales Risiko. „Wir können nicht überall hinfahren, wo es brennt“, beschreibt Sachsenforst-Sprecher Marco Horn die Lage. Politisch rückt daher die Frage in den Fokus, ob belastete Flächen zumindest teilweise geräumt werden können. In einer laufenden Risikoanalyse wird zudem die Option eines gepanzerten unbemannten Löschfahrzeugs geprüft.

Zur Stärkung der Schlagkraft an sensiblen Standorten hat Sachsen ein Großtanklöschfahrzeug mit 10.000 Litern Wasser in Priestewitz stationiert, von wo aus mehrere Naturschutzgebiete gut erreichbar sind. Laut Innenministerium sind bis Ende 2025 insgesamt vier geländegängige Kommandowagen, 15 speziell für Waldbrände ausgerüstete Tanklöschfahrzeuge sowie sechs Großtanklöschfahrzeuge angeschafft worden. Perspektivisch sollen außerdem drei neue Hubschrauber der Landespolizei bereitstehen, die deutlich leistungsfähiger sein sollen als die bisherigen Modelle. Die ostdeutschen Länder setzen damit verstärkt auf mobile Löschwasservorräte, verbesserte Erreichbarkeit abgelegener Waldgebiete und technische Aufrüstung, um die erwarteten längeren Trockenphasen und steigenden Waldbrandgefahren in den kommenden Jahren besser abzufedern.