Aktiencrash und Investorendruck: Delivery Hero vor strategischer Zäsur

15.03.2026


Delivery Hero gerät nach einem massiven Kursrückgang zunehmend ins Visier seiner Großaktionäre. Der in Hongkong ansässige Vermögensverwalter Aspex Management, der 9,2 Prozent an dem im MDax gelisteten Essenslieferdienst hält, fordert vom Management um Firmengründer und Vorstandschef Niklas Östberg eine deutlich schärfere strategische Neuausrichtung. In einem der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden Schreiben verlangt Aspex eine „rasche glaubwürdige strategische Neuausrichtung, die Wert schafft“ und bringt unter anderem einen Rückzug des Konzerns aus ganzen Regionen ins Spiel.

Der Druck der Investoren trifft ein Unternehmen, dessen Aktie bereits seit Monaten deutlich unter Druck steht. In den vergangenen drei Monaten verloren Anteilseigner von Delivery Hero rund 23,89 Prozent ihres Einsatzes. Im Vergleich zur Vorwoche liegt das Papier 2,48 Prozent niedriger, auf Sicht eines Monats summiert sich das Minus auf 23,90 Prozent. Seit Jahresbeginn beläuft sich der Rückgang auf 24,42 Prozent. Damit entwickelte sich der Essenslieferdienst deutlich schwächer als der insgesamt weniger volatile MDax, der am Mittwoch im frühen Handel um 1,6 Prozent nachgab.

Mit rund 300 Millionen ausstehenden Aktien kommt Delivery Hero aktuell auf eine Marktkapitalisierung von etwa 5,14 Milliarden Euro. Die Kombination aus anhaltendem Kursdruck und wachsender Unzufriedenheit bedeutender Anteilseigner verschärft die Lage für Östberg, der das Unternehmen 2011 mitgründete und seitdem führt. In dem von mittelgroßen Werten geprägten MDax ist es zwar nicht ungewöhnlich, dass Vorstände unter der genauen Beobachtung aktiver Investoren stehen. Doch der Vorstoß von Aspex, verbunden mit der Drohung, bei Ausbleiben eines Strategiewechsels Konsequenzen zu ziehen, hebt den Druck auf die Führungsetage auf ein neues Niveau.

Konkrete Maßnahmen über den von Aspex geforderten möglichen Rückzug aus ganzen Regionen hinaus sind bislang nicht öffentlich bekannt. Klar ist jedoch, dass Delivery Hero seine Aktionäre nach der jüngsten Kursentwicklung verstärkt von einem tragfähigen Geschäftsmodell und einer belastbaren Wachstumsstrategie überzeugen muss. Ob und in welchem Umfang das Management auf die Forderungen von Aspex eingeht, dürfte entscheidend dafür sein, ob sich der Vertrauensverlust am Kapitalmarkt eindämmen lässt – oder ob der Konflikt mit dem Großaktionär die Debatte über die künftige Aufstellung des Konzerns und die Position von Östberg weiter anheizt.

Hohe Kosten, schwacher Konsum: Warum die Zahl der Firmeninsolvenzen weiter klettert

16.03.2026


Die wirtschaftliche Lage für Unternehmen in Deutschland hat sich 2025 spürbar eingetrübt. Nach einer aktuellen Analyse des Wirtschaftsinformationsdienstes CRIF ist die Zahl der Firmeninsolvenzen auf rund 24.000 Fälle gestiegen und liegt damit so hoch wie seit 2014 nicht mehr. Gegenüber 2024, als 21.964 Unternehmensinsolvenzen registriert wurden, entspricht das einem Plus von 9,6 Prozent. Parallel dazu stuft CRIF inzwischen mehr als zehn Prozent der deutschen Firmen als insolvenzgefährdet ein.

Als wesentliche Treiber des Anstiegs nennt CRIF-Geschäftsführer Frank Schlein ein ganzes Bündel an Belastungsfaktoren. Viele Betriebe kämpften demnach mit hohen Energie- und Produktionskosten, zusätzlicher Bürokratie sowie anhaltenden Störungen in Lieferketten und Absatzmärkten. Auf der Nachfrageseite blieb die Konsumlaune verhalten, da gestiegene Lebenshaltungskosten das frei verfügbare Einkommen der privaten Haushalte schmälerten. Besonders kleinere Unternehmen und mittelständische Strukturen geraten laut Schlein dadurch unter wachsenden finanziellen Druck, der sich nun in der steigenden Zahl an Insolvenzen materialisiert.

Die geopolitische Lage verstärkt die Unsicherheit. Der Irankrieg hat laut der CRIF-Analyse zu deutlichen Preissteigerungen bei Öl und Gas geführt und damit die Aussichten für Inflation und Wachstum erneut eingetrübt – in Deutschland wie auch international. Viele der positiven Signale, die es in den vergangenen Monaten etwa bei der Unternehmensstimmung gegeben habe, würden durch die höheren Energie- und Beschaffungskosten teilweise überlagert. Zwar habe sich die lange Zeit zurückhaltende Stimmung in den Betrieben zuletzt etwas aufgehellt, doch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung bleibe fragil.

CRIF rechnet damit, dass sich der Aufwärtstrend bei den Firmenpleiten im Jahr 2026 fortsetzen wird. Der Ausblick ist geprägt von der Kombination aus anhaltend hohen Kosten, geopolitischen Risiken und nur zögerlich anziehender Nachfrage. Für Unternehmen erschwert das die langfristige Planung und dämpft Investitionsbereitschaft. Besonders dort, wo finanzielle Puffer bereits aufgezehrt sind, steigt damit die Wahrscheinlichkeit weiterer Insolvenzen – trotz einzelner Lichtblicke in einzelnen Branchen und Regionen.